Marvin Chlada
Der Poet als Lumpensammler. Reportagen und Interviews
Dialog-Edition, 206 Seiten

Lektüre ohne Scheuklappen


Marvin Chlada ist bekannt als ein Schreiber, Musiker und Künstler, der seine Wurzeln im Underground hat und dennoch – oder gerade deshalb – den intellektuellen Diskurs nicht scheut. Eine Kombination, die hierzulande leider viel zu selten anzutreffen ist. Die Dialog-Edition (Duisburg-Istanbul) hat nun lobenswerterweise ein Buch herausgebracht, in dem etliche von Chladas verstreut in Magazinen und Anthologien veröffentlichten Reportagen und Interviews in einem Band zusammengefasst sind.

Der thematische Bogen ist (wie Chladas Interessen) weit gespannt: Von einer „ernüchternden Begegnung mit Karola Bloch“ („Was aber, wenn das Bild, das ich mir von Ernst Bloch bis dato hatte machen können, ebenso utopisch war wie dessen Philosophie?“) über „Russ Meyer’s Bosomania“ bis hin zur „Spielregel für einen Wiedertäuferfilm“, einem Gespräch mit dem Regisseur Georg Brintrup über den gleichnamigen Film.

Für Undergroundatmosphäre sorgen u. a. kurzweilig zu lesende Gespräche mit Florian Günther, dem Han Shan von Friedrichshain, ein Bericht über das nepalesische Reispapier-Abenteuer von Ira Cohen und einige (durchaus kritische) Anmerkungen zur Beat-Ikone William S. Burroughs. In den eher geisteswissenschaftlich-soziologischen Beiträgen des Buches werden u. a. Theorien von Persönlichkeiten wie Charles Fourier, Nicolaus Sombart und Michel Foucault besprochen.

Fazit: Marvin Chladas Buch ist eine Empfehlung und Bereicherung für alle Undergroundler, Intellektuellen und Normalbürger, die bereit sind, ihre eventuell vorhandenen ideologischen Scheuklappen einmal abzulegen.

Axel Monte in DreckSack. Lesbare Zeitschrift für Literatur, 7. Jahrgang, Heft 4, Oktober 2016


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